Zwi­schen Huge­not­ten, Hei­de und Hir­schen: Eine Zeit­rei­se ins Jahr 1725

Unser Wan­der­füh­rer Hans Rent­meis­ter hat in Vor­be­rei­tung auf das gro­ße Jubi­lä­um sich ein­mal die Zeit genom­men und sein Wis­sen rund um den Tier­gar­ten fest­ge­hal­ten. Der his­to­ri­sche Hin­ter­grund dürf­te nur den wenigs­ten Bekannt sein. Lest selbst, wie das Leben sich 300 Jah­ren gestal­te­te.

Wel­che Spu­ren hat­te der Krieg hin­ter­las­sen – und wie konn­te sich die Bevöl­ke­rung erho­len?

Die Zeit nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg war von tie­fen Spu­ren geprägt: Ver­wüs­tung, Hun­ger und ein mas­si­ver Bevöl­ke­rungs­ver­lust von rund 50 Pro­zent. Doch wie gelang es Bran­den­burg, ein Jahr­hun­dert spä­ter wie­der zu wach­sen und an wirt­schaft­li­cher und kul­tu­rel­ler Bedeu­tung zu gewin­nen? Nach 1648 war das Land fast men­schen­leer. Um die ent­völ­ker­ten Gebie­te wie­der zu bele­ben und die Wirt­schaft zu stär­ken, setz­ten Kur­fürst Fried­rich Wil­helm und spä­ter König Fried­rich Wil­helm I. eine sys­te­ma­ti­sche Anwer­bung von Sied­lern in Gang.

Wer kam nach Bran­den­burg – und war­um war das so wich­tig?

Neue Bewoh­ner ström­ten aus vie­len Regio­nen: Huge­not­ten aus Frank­reich, Pro­tes­tan­ten aus Salz­burg, deut­sche Sied­ler aus ande­ren Regio­nen und Juden. Sie brach­ten nicht nur neue Kräf­te, son­dern auch Wis­sen, Hand­werk und Spra­che mit. Ber­lin ver­dop­pel­te sei­ne Ein­woh­ner­zahl, unter ande­rem durch die Huge­not­ten, und zähl­te um 1700 bereits rund 20.000 Men­schen.

Wel­che Wir­kung hat­ten die Ein­wan­de­rer auf Wirt­schaft und Kul­tur?

Sie begrün­de­ten neue Indus­trien, beson­ders im Tex­til­we­sen und in der Land­wirt­schaft, und ver­lie­hen dem Land einen deut­li­chen Auf­schwung. Auch die Kul­tur wan­del­te sich: Fran­zö­sisch wur­de zur Spra­che der preu­ßi­schen Eli­te – ein direk­ter Ein­fluss der Huge­not­ten in Hof und Gesell­schaft.

Und wie sah es im klei­nen Königs Wus­ter­hau­sen aus?

Wäh­rend Ber­lin wuchs, blieb Königs Wus­ter­hau­sen eine beschei­de­ne Sied­lung. Um 1725 leb­ten hier gera­de ein­mal etwa 250 Men­schen. In den umlie­gen­den Dör­fern waren es teils nur 20 bis 50 – ein ein­drück­li­cher Kon­trast zum städ­ti­schen Auf­schwung.

Wie war die Land­schaft rund um KW damals beschaf­fen?

Die Regi­on Tel­tow mit Königs Wus­ter­hau­sen war eine Mischung aus Wäl­dern, Hei­de­flä­chen, Feucht­ge­bie­ten und Acker­flä­chen. Öst­lich sei­nes Jagd­schlos­ses Wus­ter­hau­sen ließ der „Sol­da­ten­kö­nig“ Fried­rich Wil­helm I. 1725 in einem 900 Hekt­ar gro­ßen Wald­ge­biet einen Tier­gar­ten für die Jagd anle­gen. Die­ser war ein Misch­wald, geprägt von Eichen, Hain­bu­chen und Kie­fern. Rund um die Seen stan­den Erlen, Eschen und Wei­den. An der Was­ser­ver­bin­dung zwi­schen Krim­nick­see und dem ‚Gro­ßen Gra­ben‘ (Fang­gra­ben) sowie an des­sen Ufern bis zur Dah­me muss man von Feucht­ge­bie­ten mit Bir­ken und Kie­fern aus­ge­hen. Der Tier­gar­ten begann bis 1800 unmit­tel­bar hin­ter dem Schloss­park. Heu­te ist die­ses Are­al wesent­lich klei­ner. Die west­li­che Begren­zung ist nicht mehr der Schloß­park, son­dern die Eisen­bahn­li­nie Berlin-Cottbus.

Wozu nutz­te man die Wäl­der – und was mach­te sie so wert­voll?

Eichen waren unver­zicht­bar für den Schiffs­bau der preu­ßi­schen Mari­ne und für den Bau von Fach­werk­häu­sern. Kie­fern dien­ten der Teer- und Holz­koh­le­pro­duk­ti­on. Holz war all­ge­gen­wär­tig: als Bau­stoff, als Brenn­ma­te­ri­al, als Grund­la­ge für den All­tag. . Für die Füt­te­rung der Tie­re in den Gat­tern wur­den Eichen gepflanzt, die bis heu­te Kern­stück des FFH- und Natur­schutz­ge­bie­tes sind

Wie griff der Mensch in die Natur ein?

Neben dem Ein­schlag von Holz trieb man Schwei­ne, Rin­der und Scha­fe in die Wäl­der. Die­se Wald­wei­de führ­te dazu, dass die Bestän­de licht wur­den. Brand­ro­dun­gen kamen vor, um Acker­flä­chen zu gewin­nen. Für die könig­li­chen Jag­den leg­te man Schnei­sen an. So ent­stan­den Wäl­der, die zwar stark genutzt, aber erstaun­li­cher­wei­se arten­rei­cher waren als vie­le heu­ti­ge.

Wel­che Tie­re leb­ten im könig­li­chen Tier­gar­ten?

Die Jagd war Pres­ti­ge­sa­che. Haupt­zweck des Tier­gar­tens war es, das Schloss mit ‚stan­des­ge­mä­ßem‘ Fleisch zu versorgen.Die Jagd war unmit­tel­bar nach ihrer Frei­las­sung aus den Gehe­gen erfolg­ver­spre­chen­der. Fried­rich Wil­helm I. konn­te so im ‚All­tag‘, trotz sei­ner kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen (125–150 kg bei 1,65 m Grö­ße), sei­ner Jagd­lei­den­schaft nach­ge­hen. Die gro­ßen ‚offi­zi­el­len‘, ‚pro­to­kol­la­ri­schen‘, ‚stan­des­ge­mä­ßen‘ Jag­den fan­den eini­ge Kilo­me­ter wei­ter süd­lich in der Dubrow statt. Gat­ter sicher­ten in dem Gebiet den Bestand an Hoch­wild. Rot- und Dam­wild, Wild­schwei­ne, Rehe, Fasa­ne, Auer- und Birk­hüh­ner wur­den gezielt gehal­ten und gejagt. Doch auch gro­ße Raub­tie­re wie Wöl­fe und Bären zogen damals noch durch die Wäl­der, ver­ein­zelt viel­leicht sogar Elche. Für die Köni­ge bedeu­te­te dies ein Jagd­er­leb­nis, das heu­te unvor­stell­bar scheint. 

Was bleibt also vom Bild die­ser Zeit?

Vor 300 Jah­ren war Königs Wus­ter­hau­sen eine klei­ne Ort­schaft im Schat­ten Ber­lins, ein­ge­bet­tet in eine Land­schaft, die von Wäl­dern, Hei­den und Fel­dern durch­zo­gen war. Die Wäl­der waren stär­ker genutzt, aber auch natur­rei­cher als heu­te – und in ihnen leb­te ein beein­dru­cken­des Spek­trum an Wild­tie­ren. Ein Leben zwi­schen Neu­auf­bau, Natur­wirt­schaft und könig­li­cher Jagd­tra­di­ti­on präg­te die­se Regi­on um 1725. Die zur Füt­te­rung der Tie­re gepflanz­ten Eichen bil­den bist heu­te das Kern­stück des Naturschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Gebietes.

Koor­di­na­ti­on und Aus­ge­stal­tung erfolgt in Zusam­men­ar­beit von

Wir bedan­ken uns bei allen, die uns bei der Vor­be­rei­tung der Ver­an­stal­tun­gen zum Tiergarten-Jubiläum unter­stützt haben. Ein beson­de­rer Dank geht an